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Die Macht der Farben in der Gestaltung (Ein Reblog von Page-online.de)

Farbe kann schreien und flüstern, weich sein oder hart, leicht oder schwer, duften oder riechen, süß sein oder sauer, nah oder fern, jung oder alt, teuer oder billig, altväterisch oder trendbewusst.

Farben beeinflussen sehr stark, ob wir ein Design als ansprechend empfinden oder nicht. Wie können Gestalter sich die Macht der Farben zunutze machen, um Produkte begehrenswerter oder besser erscheinen zu lassen?
Timo Rieke: Farben sind entscheidender Faktor zur Bewertung der ästhetischen Stimmigkeit und Qualität eines Produktes. Gestalter müssen daher sensibel sein für die Vielfältigkeit an Farbbedeutungen. Dafür ist es hilfreich, Farbe als eine Metaebene zu verstehen, welche fast alle Formen der menschlichen Kommunikation beherrscht. Farbe vereint Eigenschaften aus allen menschlichen Sinnen, vermittelt kulturelle Werte und ist rein funktional wirksam. Ein gutes Farbdesign reagiert gleichermaßen auf diese drei Parameter und vereint sie in Abhängigkeit zum Produkt. Gutes Farbdesign ermöglicht lesbare und identifizierbare Objekte und Räume in beinahe allen Lebensbereichen. Identifizierbar bedeutet, diejenigen Farben und Materialien auszuwählen, welche die Essenz des Objektes oder Raumes im zeitlichen und räumlichen sowie emotionalen und funktionalen Kontext unterstreichen. Durch die Anwendung spezifischer Methoden des Farbdesigns können wir die Codes oder die Sprache der Farbe kontextgebunden an die Gegenwart und mögliche Zukunft anpassen. Das Instrument Farbe ist deshalb machtvoll, weil Farbe sehr positiv wirken kann, aber auch sehr negativ.

Farben werden häufig Werte wie warm, kalt, hochwertig oder billig zugeordnet. Welche Rolle spielen solche Assoziationen?
Farbbedeutungen haben eine große Verwandtschaft mit sprachlichen Assoziationen. Ähnlich wie die Sprache haben wir die Bedeutung von Farben zum großen Teil während des Aufwachsens durch reines Erleben erlernt. Farbbedeutungen kennen wir allerdings nicht durch den bewussten Umgang mit Buchstaben und Worten, Grammatik und Satzbau, sondern zum allergrößten Teil durch das unbewusste Beobachten und Verinnerlichen der Welt, die wir mit unseren angeborenen Sinnen aufnehmen. Daher ist die Bedeutung von Farbe anders als schriftliche Botschaften ungleich subtiler und schwerer zu entschlüsseln. Das Sehen von Farbe gleicht einer Sprache, die wir zwar irgendwie verstehen, deren Grammatik wir in den meisten Fällen aber nicht kennen. Sprachliche Assoziationen haben die größte Verwandtschaft mit Farbbedeutungen, weil sie ebenfalls der Lebensumwelt entspringen.

Die reine Farbe im Eimer kann erst einmal gar nichts.

Daher kann Farbe schreien und flüstern, weich sein oder hart, leicht oder schwer, duften oder riechen, süß sein oder sauer, nah oder fern, jung oder alt, teuer oder billig, altväterisch oder trendbewusst. Allerdings ändern sich Assoziationen je nachdem wie, wo und wann wir aufwachsen und welche Erfahrungen wir bereits gemacht haben. Gesellschaft als dynamischer Prozess entwickelt sich auf Basis der vorher getroffenen Entscheidungen hoffentlich weiter. Das gilt genau so für Farbtrends. In früheren Zeiten waren an Farbtrends noch sehr leicht gesellschaftliche und auch technische Veränderungen ablesbar. Heute ist der Farbmarkt stark diversifiziert, aber das deckt sich mit der Entwicklung an Zielgruppen. Die reine Farbe im Eimer kann aber erst einmal gar nichts; sie braucht einen Kontext um zu wirken – und da fängt Design an.
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